Scharbockskraut: Frühjahrs-Vitamin-C

Scharbockskraut ist eine klassische Heilpflanze des Frühlings. Es bildet oft die erste grüne Bodenschicht (Krautschicht) nach der Winterzeit und war für die europäische Urbevölkerung nach der langen Winterzeit einer der ersten Vitamin-C-Lieferanten. Deshalb wird die Pflanze mitunter auch als „Frühlingssalat“ bezeichnet. Auch für die früheren Seefahrer war das Scharbockskraut von großer Bedeutung. „Scharbock“ ist ein altertümlicher Name für die bei Seeleuten gefürchteten Skorbut – eine Krankheit, die durch Vitamin-C-Mangel ausgelöst wird.

Außerdem wirkt es blutreinigend. Man sollte jedoch keine allzu großen Mengen verzehren. Wenige Blätter genügen.

Für Freunde der Wildkräuterküche ist Scharbockskraut interessant, um Frühjahrsmüdigkeit zu vertreiben, denn frische Blättchen lassen sich wunderbar in Smoothies, Salaten, Kräuterbutter und -soßen einsetzen.

Doch die Blätter müssen unbedingt gepflückt werden, bevor das kleine Kraut gelb zu blühen anfängt. Das liegt daran, dass Scharbockskraut dann in seinen Blättern das Gift Protoanemonin vermehrt ausbildet, das bitter und brennend scharf schmeckt und bei Menschen Magen- und Darmreizungen hervorruft.

Von Zurückhaltung kann bei dem kleinen Frühblüher nicht die Rede sein. Während andere Pflanzen noch gar nicht ans Aufwachen denken, ist das Scharbockskraut bereits jetzt zu sehen: In lichten Laubwäldern, Parks und auf Wiesen, überall dort, wo der Untergrund feucht und reich an Nährsalzen ist. Nicht grundlos ist Scharbockskraut eines der ersten Wildkräuter: Eben weil alle anderen noch in Deckung bleiben, genießen nur die Kleinwüchsigen in den ersten Frühjahrstagen das Licht der Sonne ganz alleine.

 

Scharbockskraut als Küchenkraut

Das Scharbockskraut ist eines der bekanntesten Wildkräuter des Frühlings. Im Mittelalter waren die Blätter der Pflanze als Rohkost eine willkommene und vitale Abwechslung von der meist eintönigen Winterspeisekarte. Heute wird die Pflanze vor allem von Wildkräuterliebhabern und einigen Salatliebhabern gern gegessen.

Die Blätter des Scharbockskrauts schmecken angenehm pfeffrig, leicht säuerlich und dezent bitter. Die jungen Blätter im Vorfrühjahr gelten als die Schmackhaftesten. Scharbockskrautblätter können in Wildkräutersalaten, Kräuterquarks, Kräuterbutter oder als Topping für Gemüsebrotaufstriche verwendet werden.

Wer viel von dem Kraut isst, sollte bedenken, dass vor allem die älteren Blätter etwas Protoanemonin enthalten. Dieser Stoff kann zu Magen- und Darmreizungen und bei höherer Dosierung auch zu Vergiftungserscheinungen führen. Bei normaler Verzehrmenge sind jedoch keine unangenehmen Wirkungen zu erwarten. Jüngere Blätter enthalten grundsätzlich nur sehr geringe Mengen des Stoffs, so dass diese bevorzugt gesammelt werden sollten.

 

Das Trocknen des Krauts bringt keine geschmacklichen Vorteile mit sich. Allerdings wird das Protoanemonin durch die Trocknung unschädlich gemacht.

 

Scharbockskraut als Heilkraut

In der heutigen Naturheilkunde hat das Scharbockskraut kaum noch Bedeutung. Früher wurden die Blätter des Krauts gegen die Vitamin-C- Mangelkrankheit Skorbut verwendet. Diese Nutzung lässt sich heute noch aus dem Namen der Pflanze ableiten: Der altdeutsche Name Scharbock bedeutet übersetzt kurz und knapp Skorbut. Die Pflanze galt vor allem im ausklingenden Winter sowie im frühen Frühjahr als Hauptpflanze bei Schiffs- und Versorgungsreisen sowie bei vielen ärmeren Menschen. Die Pflanze kam flächendeckend reichlich vor und ließ sich leicht ernten. Sie stellte die Versorgung mit Vitamin C direkt nach den kalten Wintertagen sicher. Aufgrund des nicht zu vernachlässigenden Gehalts an Protoanemonin sind jedoch häufig Magen- und Darmbeschwerden aufgetreten.

Scharbockskräuter enthalten einige Inhaltsstoffe, die durchaus eine positive Wirkung auf den menschlichen Organismus ausüben können. Unter anderem enthalten sowohl die Blüten und die Blätter des Krauts einige bekannte Flavonoide wie Kaempferol, Quercetin, Apigenin und Luteolin. Diese Stoffe sind u.a. für die belebenden und entzündungshemmenden Wirkungen von Ficaria vernaverantwortlich. Außerdem enthält die Pflanze weitere Stoffe, u.a. Saponine wie die Oleanolsäure, die über leberschützende, antivirale und teils tumorhemmende Eigenschaften verfügt.

 

Gelegentlich wird das Scharbockskraut in der Volksmedizin heute noch für folgende Beschwerden und Krankheiten verwendet:

  • Feigwarzen
  • Frühjahrsmüdigkeit
  • Hämorrhoiden
  • Katarakt (möglicherweise)
  • Vitamin C – Mangel

 

Neben den teils förderlichen Eigenschaften besitzen vor allem ältere Blätter sowie die Wurzeln zum Teil nennenswerte Anteile an Protoanemonin. Geringe Mengen sind für den Körper nicht schädlich. In höheren Anteilen kann Protoanemonin jedoch zu Übelkeit, Erbrechen und sogar zu Hepatitis führen. Der Stoff ist ausschließlich in frischen Pflanzenteilen zu finden. Beim Trocknen wird das Protoanemonin in das nicht giftige Anemonin umgewandelt.

In der Volksheilkunde werden gelegentlich noch Sitzbäder und Umschläge bei Hämorrhoiden empfohlen. Hierzu wird das getrocknete Kraut zunächst für etwa 10 Minuten gekocht und anschließend abgekühlt. Mit einem Umschlag wird der Sud aufgesaugt und auf die betroffene Stelle gelegt. Die Anwendung wird jeweils morgens und abends für bis zu zwei Wochen wiederholt. Allerdings sind die Erfolgsaussichten als eher gering zu betrachten. Heilkräuter wie die Echte Kamille, Lavendel oder die Schafgarbe sind in jedem Fall zu bevorzugen.

Eine Besonderheit ist eine Apigeninverbindung, die eine hemmende Wirkung auf das Enzym Aldoseredukate ausübt und zur Gruppe der Flavosativaside gezählt wird. Diese Flavosativaside können womöglich die Aktivität des Enzyms hemmen, wodurch häufige Diabeteserscheinungen wie der Katarakt gelindert werden könnten.

Nebenwirkungen: Bei Verwendung des frischen Krauts können bei höherer Dosierung Vergiftungserscheinungen durch das enthaltende Protoanemonin auftreten. In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte auf die innere Einnahme des Krauts verzichtet werden. Ebenso sollten Kleinkinder kein frisches Scharbockskraut zu sich nehmen.

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