Giersch – nicht bekämpfen sondern als gesundes Wildgemüse nutzen

Der unverwüstliche Giersch hat schon so manchen Gärtner zur Verzweiflung gebracht. Doch seien wir dankbar, dass sich so hilfreiche Kräuter wie Brennnessel, Vogelmiere und Giersch nicht so leicht vertreiben lassen, sonst wären sie womöglich schon ausgerottet. Lassen wir uns von ihnen lieber etwas von ihrer Lebenskraft schenken, indem wir sie als Nahrungsmittel und Heilkraut verwenden.

 

 

Steckbrief

Lateinischer Name Aegopodium podagraria
Andere Namen Dreiblatt, Erdholler, Geißblatt, Geißfuß, Bodenholunder
Familie Doldenblütler (Apiaceae)
Erntemonate Mrz-Sep
Verwendbare Pflanzenteile Blätter, Blüten, Samen, Triebe
Blattform dreizählig
Blütenfarbe weiß
Fundorte lichte Laubwälder, Heckenränder, Wegränder,Parks und Gärten
Verwechslungs­gefahr mit anderen Doldenblütlern, die auch hochgiftige Vertreter haben
Giftigkeit ungiftig
Besondere Inhaltsstoffe ätherische Öle, Bor, Cumarine, Eisen, Flavonglykoside, Harze, Kalium, Kalzium, Kupfer,

Magnesium, Mangan, Saponine, Titan, Vitamin A, Vitamin C

Eigenschaften antibakteriell, antifungizid, entsäuernd, entzündungs­­hemmend, harntreibend, kräftigend
Hilft bei Blasenentzündungen, Erkältungen, Frühjahrsmüdigkeit, Gicht, Hämorrhoiden, Hexenschuss,Husten,

Insektenstiche, Ischias, Krampfadern, Rheuma, Verbrennungen, Verstopfung, Würmer, Zahnschmerzen

Anwendungen

Giersch gehört zu den Pflanzen, welche den Frühling ankündigen. Wenn die grünen Gierschteppiche erscheinen, ist auch der Frühling nicht mehr weit. Früher wurde Giersch in Klostergärten sogar absichtlich angebaut, um als Heilpflanze, besonders gegen Gicht, verwendet zu werden.

 

In der Ernährung

Giersch gehört als Doldenblütler zur Familie der uns bekannten schmackhaften Gemüse- und Würzpflanzen, wie Möhre, Pastinake, Kümmel, Petersilie und Dill. Er enthält viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. So ist er dem mineralstoffreichen Grünkohl weit überlegen, er besitzt bis zu dreizehnmal mehr Mineralstoffe. Genauso ist der Vitamin-C-Gehalt viermal höher als in Zitronen!

 

Das gesamte oberirdische Kraut eignet sich für die Zubereitung verschiedenster Speisen. Die milden und sehr wohlschmeckenden Blätter werden am häufigsten verwendet. Ich esse sie im Salat, in Suppen, als Spinat-Ersatz sowie als Füllungen oder auf Pizza, in Wildkräuter-Aufstrichen, im Smoothie und gemeinsam mit Knoblauchsrauke und Gundermann als Pesto. Für diese Zubereitungen verwende ich nur junge, weiche Blätter, da ältere manchmal faserig sind, besonders nach der Blüte. Durch regelmäßiges Ernten treiben immer wieder junge Blätter nach.

 

Als aromatische Zutat für Suppen (z.B. der Gründonnerstagssuppe) und Eintöpfe oder auch zur Dekoration eignen sich die kleinen, weißen Blüten.

 

Heilende Anwendungen

Kräuterpfarrer Künzle nannte Giersch eine “herrliche Medizin”. Er nutzte ihn als Mittel gegen Krampfadern, Husten, Wurmbefall, Zahnschmerzen, Gicht, Rheuma und Verstopfung.

Schon im Mittelalter wurde Giersch bei Herzgefäßbeschwerden, Gicht, Rheuma und Ischiasschmerzen angewendet. Gicht ist wohl das Hauptheilungsgebiet des Giersch, so ist die Gicht sogar im lateinischen Namen erwähnt, “podagraria” bedeutet Gicht. Aegopodium bezieht sich auf das Aussehen der Blätter, welche einem Ziegenhuf ähneln, daher wird Giersch gleichfalls Geißkraut oder Geißfuß genannt.

Bei Insektenstichen und Verbrennungen, auch Sonnenbrand, können frisch zerriebene Gierschblätter auf die betroffenen Hautstellen aufgelegt Linderung verschaffen.

 

Tee

Für eine Heilwirkung wird neben dem Verzehr des frischen Krauts auch ein Tee aus den Blättern getrunken. Neben den oben genannten Beschwerden hilft Gierschtee genauso bei Blasenentzündung und Schnupfen, außerdem besitzt er die Fähigkeit, schädliche Stoffe aus dem Körper auszuschwemmen. Eine äußere Behandlung bei Gicht, Hexenschuss, Ischiasschmerzen und Rheuma wird durch Einahme des Tees begleitet. Für den Tee 250 ml kochendes Wasser über zwei Esslöffel des Krauts geben und nach zehn Minuten abseihen.

Äußerlich können Umschläge mit dem Tee bei Insektenstichen, Verbrennungen und Hämorrhoiden helfen.

 

Badezusatz

Für eine lindernde Wirkung bei Gicht, Rheuma, Hexenschuss und Ischiasschmerzen wird ein Gierschabsud dem Badewasser zugegeben. Hierzu 500 g Giersch mit genügend Wasser aufkochen, etwa 15 Minuten stehen lassen und dann dem Badewasser zugeben.

 

Anwendungen im Garten

Wenn Giersch im Garten überhand nimmt, kann ihm sozusagen ein Zaun aus Buschbohnen gezogen werden, denn diese mag Giersch nicht. Ich selbst habe gute Erfahrungen damit gemacht, ihm eine Ecke des Gartens zu überlassen, mich an ihm zu erfreuen und ihn zu ehren und darum zu bitten, dort zu bleiben, was er auch getan hat.

 

Erkennung und Sammeltipps

Der Gärtner will Girsch bekämpfen und entfernen. Dabei könnte er dieses immer nachwachsende Wildgemüse achten und sinnvoll in Ernährung und Heilung nutzen

Giersch hat keine besonderen Ansprüche an den Standort und ist am Rande von Wegen und Wäldern, unter Hecken, in Parks und in Gärten zu finden. Von den giftigen Vertretern der Doldenblütler unterscheidet er sich in seiner Blattform.

  • Die Blätter haben einen dreikantigen, bis zu 20 cm langen Stiel und sind dreigeteilt
  • Sie sind spitz, leicht behaart und haben einen gezähnten Rand
  • Der Blütenstängel wird bis zu 90 cm hoch und ist leicht kantig bis rund
  • Oben sitzt eine 12-18 strahlige Doldenblüte
  • Die abgeflachten Samen sind etwa 3 mm groß
  • Die ganze Pflanze verströmt den typischen Gierschgeruch
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