Ein Haus, das 9.500 € kostet und innerhalb von einem Tag gebaut werden kann

Stundenlang dreht sich der Roboterarm. Wie Sahne aus der Spritztülle eines Konditors fließt Mörtel aus dem Druckkopf an der Spitze dieser Maschine. Das Gemisch landet Schicht um Schicht genau dort, wo der Computer es geplant hat. So entsteht nach und nach erst der Grundriss, dann Wände und schließlich der ganze Rohbau eines Hauses. Ja, Häuser kann man drucken. Ein Bau in Russland hat es gerade mal wieder bewiesen.

 

Die Zukunft des Häuserbaus heißt wohl 3D-Druck. Die Technik kennen wir. Mit ihr werden schon seit einigen Jahren kleinere Modelle, bestenfalls Möbel gedruckt. In China und anderen Ländern hat sie nun eine ganz andere Dimension erreicht. Ganze Gebäude entstehen in Rekordzeit. Die russisch-amerikanische Firma Apis Cor will in nur 24 Stunden ihr Vorzeigeprojekt in Russland gebaut haben – und das bei Minus 35 Grad Außentemperatur.

 

Schnäppchen-Haus aus der Tube

Für ihr 38-Quadratmeter-Häuschen samt Küche, Bad, Diele und Wohnzimmer war der Drucker nur einen Tag am Werk. Das Mini-Heim steht in der Nähe von Moskau und kostet 10.000 Dollar (9.500 Euro) – darin sind sogar schon die Möbel enthalten.

Und es geht noch günstiger: In einer einfacheren Version könne man mit 8.500 Dollar (8.000 Euro) auskommen. Dafür bekommt man in Deutschland einen Kleinwagen oder vielleicht eine schicke Doppelgarage, aber kein Haus. Im Preisvergleichsportal „Fertighaus.de“ fangen die kleinsten Häuser bei 100.000 Euro Baukosten an.

 

Drucker statt Bauarbeiter?

Ist das nun das Ende der Bauindustrie? Nein. Zwar machen Firmen wie Apis Cor einen riesigen Schritt in Richtung Industrie 4.0, ganz ohne menschliches Geschick funktioniert es aber noch nicht. Der 3D-Drucker hat bloß die Wände gespritzt. Danach hob ein Kran den Roboter aus den Mauern. Sowohl Fenster und Türen, als auch Dach und Inventar waren dann wieder Sache der Handwerker. Das kann die Technik nämlich noch nicht leisten.

Der Gründer von Apis Cor, Nikita Chen-yun-tai geht noch weiter. Er sagt: „Wir sind bereit, die ersten zu sein, die auf dem Mars bauen.“

 

Wie druckt der 3-D-Drucker ein Haus?

Zuerst zeichnet der mechanische Drucker-Arm den Grundriss des Hauses. Dann trägt er Schicht auf Schicht weiteres Baumaterial auf. So entstehen die Wände. Die Arbeit des Druckkopfes sieht ein wenig so aus, als würde man Zahnpasta aus der Tube pressen: Der Strang aus einer speziellen Mörtelmischung fließt zielgenau dorthin, wo das nächste Stück Wand entstehen soll.

Pioniere sind die Russen auf dem Gebiet des Häuser-Drucks aber nicht. In China haben Architekten schon ganze Villen aus dem Drucker gequetscht. Der chinesische Erfinder Ma Yihe behauptet sogar, es sei kein Problem ganze Wolkenkratzer auszudrucken.

 

Wann wird das erste Haus in Deutschland gedruckt?

In Deutschland gelten strenge Vorschriften für den Häuserbau. Bevor der erste Mörtel angerührt wird, muss der Bau geprüft und genehmigt werden. Das Haus muss energiesparend und sicher sein und dabei einen ganzen Katalog an Normen erfüllen. Keine guten Voraussetzungen also für neue Verfahren.

Hinzu kommt, dass auf viele Verfahren des Häuserdrucks bereits Patente angemeldet sind. Nutzt eine andere Firma diese Verfahren, gibt es Ärger. Und: Mit den deutschen Herstellern von Fertighäusern trifft der 3D-Druck hierzulande ohnehin auf harte Konkurrenz.

 

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