Antibiotika: Kaputte Darmflora stört auch das Gehirn (anti=gegen – bios=Leben)

Was sind Antibiotika und wie wirken sie?

Der Name “Antibiotika” leitet sich von “anti” = griechisch für “gegen” und “bios” = griechisch für “Leben” ab.

Antibiotika werden über Pilze bzw. Bakterien erzeugt. Schon geringste Dosen sind in der Lage, das Wachstum von Mikroorganismen zu hemmen bzw. diese abzutöten. Auch synthetisch hergestellte Mittel, sog. Antimikrobielle Chemotherapeutika, nennt man Antibiotika.

 

Wie eine gesunde Darmflora entsteht

Der Darm des Menschen ist ein komplexes bakterielles Ökosystem, das sich während der ersten Lebensjahre eines Kindes entwickelt. Während die Anzahl der Bakterien im Darm nach der Geburt noch gering ist, steigt sie mit zunehmendem Lebensalter stetig an. Der Darm eines gesunden Erwachsenen enthält 10 bis 100 Billionen Bakterien verschiedenster Gattungen und Arten. Die ersten gesunden Darmbakterien bekommt ein Kind idealerweise während der (natürlichen) Geburt und kurz danach. Auch die Nahrung hat einen großen Einfluss auf die Darmflora. Bei gestillten Kindern hindert eine Vielzahl von milchsäurebildenden Darmbakterien andere, krank machende Keime daran, sich im Darm anzusiedeln. Eine Kaiserschnittgeburt und/oder das Füttern des Säuglings mit der Flasche erschweren den Aufbau einer gesunden Darmflora und steigern das Risiko für spätere Erkrankungen, wie z. B.

  • Asthma
  • Neurodermitis
  • Allergien
  • Übergewicht
  • chronische Darmentzündungen
  • Autoimmunerkrankungen

 

Die Aufgaben der Darmflora

Wussten Sie, dass der größte Teil des menschlichen Immunsystems im Darm sitzt? Die Darmschleimhaut enthält 70 bis 80% aller Abwehrzellen des Körpers. Sie bekämpfen eindringende Viren, Bakterien oder Pilze und geben diese Informationen direkt an das gesamte Abwehrsystem im Körper weiter. Hierbei sind sie auf eine gesunde Bakterienflora im Darm angewiesen. Doch die kleinen Darmbewohner haben auch noch weitere wichtige Aufgaben.

 

Dazu gehören

  • die Bildung von Vitaminen und Fettsäuren
  • die Verdauung und optimale Verwertung von Nährstoffen
  • die Anregung der Beweglichkeit des Darms
  • die Versorgung der Darmschleimhaut mit Energie

 

Wie Antibiotika die Darmflora schädigen

Antibiotika sollen krank machende Bakterien abtöten. Allerdings können sie leider nicht zwischen „gut“ und „böse“ unterscheiden und vernichten auch Teile der gesunden Darmflora. Das fein abgestimmte Ökosystem Darm wird gestört und kann seine wichtigen Aufgaben nicht mehr erfüllen. Bei wiederholten Antibiotika-Gaben schafft der Körper es häufig nicht mehr aus eigener Kraft, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen. Den Beweis hierfür lieferte kürzlich eine in den USA durchgeführte Studie: Schon nach drei bis vier Tagen Antibiotika-Einnahme veränderte sich die Zusammensetzung der Darmflora bei den Teilnehmern dramatisch. Während sich der Darm nach einer einmaligen Antibiotika-Einnahme meist nach kurzer Zeit erholte, veränderte sich die Darmflora nach weiteren Antibiotika-Gaben dauerhaft. Fast ein Drittel aller Bakterienarten verschwand ganz und machte so Platz für krank machende Bakterien oder Pilze. Auch die Bildung von antibiotikaresistenten Bakterien wurde schon nach kurzer Antibiotika-Gabe nachgewiesen.

 

Die Folgen einer gestörten Mikroflora

Von der veränderten Darmsituation profitieren jetzt ausschliesslich die pathogenen Mikroben. Sie können sich in diesem Milieu blitzschnell vermehren und grosse Schäden an den empfindlichen Schleimhäuten des Verdauungstraktes hervorrufen. Magenschleimhautentzündungen sowie Entzündungen der Darmschleimhaut sind die Folge.

Kann der Körper das Gleichgewicht der Mikroorganismen nicht wieder herstellen, werden die Entzündungsprozesse chronisch und es entstehen Krankheiten wie chronische Gastritis, Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn.

Die Auswirkungen einer Dysbakterie beschränken sich jedoch nicht “nur” auf den Darmbereich. Selbstverständlich hat ein derart veränderte Mikroflora auch gravierende Auswirkungen auf andere Bereiche des Körpers.

Hauterkrankungen jeder Art, Pilzinfektionen, Allergien, Diabetes sind nur einige der möglichen Krankheiten, denen eine stark gestörte Mikroflora im Darm zugrunde liegt.

Aus naturheilkundlicher Sicht wird sogar davon ausgegangen, dass eine Dysbakterie generell an der Entstehung von Krankheiten beteiligt ist. Daher ist es wichtig, immer auch den Darm als auslösenden Faktor in Betracht zu ziehen und ihn in angemessener Weise zu unterstützen.

Dies zeigt deutlich, welchen Stellenwert der Darmgesundheit beigemessen werden sollte. Eine gestörte Mikroflora ist bei nahezu allen Erkrankungen vorzufinden, so dass eine gute Gesundheit ohne die Wiederherstellung einer ausgeglichenen Darmflora grundsätzlich nicht möglich ist.

Eine Schwächung des Immunsystems öffnet den pathogenen Bakterien, Pilzen Parasiten und anderen schädlichen Eindringlingen Tür und Tor. Sie können sich im Körper einnisten und sich rasant vermehren. Ein geschwächtes Immunsystem verschlechtert daher stets das Darmmilieu und führt letztlich dazu, dass der Mensch erkrankt.

Noch schlimmer wird es, wenn das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Diese Entwicklung führt dann zu so genannten Autoimmunerkrankungen wie chronische Gastritis, Hashimoto-Thyrioditis, Lupus erythematodes, chronische Polyarthritis, Fibromyalgie etc.

 

Kaputte Darmflora stört auch das Gehirn

Wird die Darmflora zum Beispiel durch Antibiotika zerstört, kann dies erhebliche gesundheitliche Folgen haben. Wissenschaftler vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin haben nun herausgefunden, dass auch das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wird: Mäuse, deren Darmflora durch eine mehrwöchige Antibiotikagabe zerstört worden war, bildeten deutlich weniger neue Nervenzellen in der Hippocampus-Region als ihre unbehandelten Artgenossen. Dies wirkte sich offenbar auch auf das Gedächtnis aus, wie die Experimente zeigten. Kein Wunder, denn die Bildung neuer Hirnzellen, die sogenannte „Neurogenese“, ist essentiell für bestimmte Gedächtnisleistungen.

 

 

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